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Bildungsurlaub Englisch auf Bali - Christian Geng im Interview mit Frühnachrichten

 
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Bildungsurlaub Bali – Christian Geng im Interview

Christian Geng hat das Programm Bildungsurlaub in Bali erfunden. Was hat ihn dazubewegt? 

Bildungsexperte Christian Geng

Christian Geng

Christian Geng hat 1990 vor seinem Studium der Betriebswirtschaft Bali und Indonesien mit einem Freund mehrere Monate bereist und im Jahr 1992 mit seinen Kommilitonen und Geschäftspartnern Holger Dähne und Elke Greim LISA! Sprachreisen aufgebaut. Nach Corona entwickelte er die Idee, Englisch-Sprachkurse nach dem Bildungsurlaubsgesetz für Arbeitnehmer und ihre Familien zu entwickeln.


Englischunterricht zwischen britischer Sprachtradition und balinesischer Gegenwart: Christian Geng, Mitgründer von LISA! Sprachreisen, spricht mit dem Journalisten Jonathan Reed für Frühnachrichten, über eine einfache Frage mit weitreichenden Folgen: Warum sollte die Geografie des Sprachenlernens noch immer der Geografie des 19. Jahrhunderts folgen?

Im Gespräch geht es um Bildungsurlaub Englisch auf Bali als internationales Sprachlabor, britische Lehrkräfte unter Palmen, die gesellschaftliche Bedeutung der Sprachreise als Bildungsurlaubs und eine Vorstellung von Weiterbildung, bei der Konzentration und Lebensqualität keine Gegensätze mehr sind.


5 Tage Bildungsurlaub Englisch auf Bali - Verlängerung möglich

Kursdetails Leistungen
Reiseart Bildungsurlaub, Bildungsfreistellung, Bildungszeit, Arbeitnehmerweiterbildung.
Kursname Super-Intensivkurs
Kursdauer 1 woche / 5 Unterrichtstage Unterricht
Unterricht 30 Lektionen Gruppenunterricht pro Woche
Sprache Englisch
Alter ab 18 Jahre
Durchschnittliche Kursgröße 10, maximal 12 Personen
Lehrmaterial 50 €
Niveaustufen alle bis C1 – gehobenes Niveau  GER
Kursbeginn 2.Nov.; 9.Nov.; 16.Nov.; 23.Nov.; 30.Nov.; 7.Dez.; 14.Dez.; 21.Dez.; 28.Dez
Bildungsurlaub
  • Berlin (vom 01.01.2026 bis 22.06.2029)
  • Niedersachsen (vom 01.01.2026 bis 30.12.2028)
  • Rheinland-Pfalz (vom 01.01.2026 bis 11.02.2028)
  • Saarland (vom 01.01.2026 bis 22.06.2029)
Veranstaltungsort , Indonesien
Komplettpreis (Klick für Buchung) 399 €

Englisch Intensivkurs, Weiterbildung. Der Jahresurlaub bleibt unberührt, kann aber mit dem Bildungsurlaub kombiniert werden. Der Bildungsurlaub muss vom Arbeitgeber genehmigt werden.

  • Die Lehrer: Etwa 80 % der Lehrkräfte sind Muttersprachler (aus UK, USA oder Australien), die alle über anerkannte Zertifikate wie CELTA oder TESOL verfügen.

  • Der Sprachkurs: Der Unterricht kombiniert klassisches General English (Fokus auf Sprechen und Hörverstehen) mit landeskundlichen Nachmittagsstunden und interaktiven Kulturaktivitäten.

  • Der Lernerfolg auf Bali ist bei den zertifizierten Bildungsurlaub-Kursen sehr hoch, unterscheidet sich aber in der Dynamik deutlich von einer klassischen Sprachschule in England oder den USA.

Warum der Lernerfolg hoch ist

 

  • Kleine, internationale Gruppen: Die Klassen bei Study Bali International bestehen meist aus nur 5 bis maximal 10 Personen. Dadurch kommen Sie extrem oft selbst zu Wort und die Lehrer können individuell auf Ihre Fehler eingehen.
     
  • Intensives Pensum: Mit 30 bis 40 Wochenlektionen (je nach Vorgabe Ihres Bundeslandes) sitzen Sie täglich 5 bis 6 Zeitstunden im Unterricht. Dieser Fokus sorgt für einen schnellen Immersionseffekt: Sie schalten gedanklich schnell auf Englisch um.
     
  • Muttersprachliche Lehrer: Rund 80 % der Lehrkräfte sind Native Speaker aus Australien, Großbritannien oder den USA. Sie lernen also akzentfreies, modernes Englisch und kein "Indo-English".
     
  • Geringer Stressfaktor (Der Bali-Effekt): Die entspannte Resort-Atmosphäre senkt die typische Lernblockade. Wer morgens entspannt unter Palmen frühstückt, geht stressfreier in den Unterricht, was nachweislich die Aufnahmefähigkeit des Gehirns steigert.

Tipps, wie Sie den Lernerfolg auf Bali maximieren

  1. Die English Only-Regel: Vereinbaren Sie mit Ihren Mitschülern, auch beim Abendessen oder am Pool konsequent nur Englisch zu sprechen.
  2. Aktive Teilnahme am Kulturprogramm: Nutzen Sie die landeskundlichen Nachmittagsstunden und Ausflüge des Veranstalters LISA! Sprachreisen. Dabei sind Sie gezwungen, den Lehrern auf Englisch zu folgen und Fragen zu stellen.
  3. Den Bildungsurlaub verlängern: Wenn es Ihr Jahresurlaub zulässt, hängen Sie nach der intensiven Kurswoche noch 1–2 Wochen Individualurlaub dran. Reisen Sie in Regionen wie Ubud oder die Gili-Inseln, wo Sie in Hostels oder bei Touren automatisch auf internationale Reisende treffen und Ihr Englisch im echten Leben festigen.

 

 

Beste Reisezeit

Für Bali empfiehlt sich die Trockenzeit von April bis Oktober. In diesen Monaten ist die Luftfeuchtigkeit angenehmer und es gibt die wenigsten Regentage, was ideal für Aktivitäten nach dem Unterricht ist.

Die Hauptsaison (Trockenzeit): April bis Oktober

Diese Monate bieten die besten Bedingungen für Ihren Bildungsurlaub:

 

  • Wetter: Es gibt sehr wenig Regen und die Sonne scheint fast täglich. Die Temperaturen liegen tagsüber konstant bei etwa 30 °C.
     
  • Luftfeuchtigkeit: Die Luftfeuchtigkeit ist deutlich niedriger als im Winter. Abends weht oft eine angenehme, kühlende Brise, was das Lernen und Schlafen (auch ohne Dauereinsatz der Klimaanlage) sehr viel angenehmer macht.
     
  • Geheimtipp (Mai, Juni & September): Diese Monate gelten als die absolut besten. Das Wetter ist perfekt, aber es ist weniger überlaufen und die Flüge sowie Unterkünfte sind oft günstiger als im Juli und August (europäische Sommerferien).


Die Nebensaison (Regenzeit): November bis März


Ein Bildungsurlaub ist auch in diesen Monaten möglich, bringt aber Einschränkungen mit sich:

 

  • Wetter: Es kommt häufig zu starken, tropischen Regenschauern, meistens am Nachmittag oder Abend. Der Himmel ist oft bewölkt.
     
  • Luftfeuchtigkeit: Die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch (oft über 80 %), wodurch sich die Hitze drückender anfühlt.
     
  • Vorteil: Die Insel ist grüner, die Sehenswürdigkeiten sind leerer und die Preise für optionale Ausflüge oder Upgrades vor Ort sind auf einem Tiefpunkt. Ausnahme: Die Zeit um Weihnachten und Neujahr ist trotz Regenzeit sehr voll und teuer.

 

Elke Greim, Fachberaterin Bildungsurlaub Bali: 


"Um Ihnen bei der passenden Kurswahl zu helfen, lassen Sie mich wissen:

 

  • In welchem Bundesland arbeiten Sie? (Wichtig wegen der genauen Anerkennung)

  • Suchen Sie nach einem reinen Sprachkurs oder einer Kombination mit Unterkunft vor Ort?

  • Planen Sie eine Aufenthaltsdauer von 5 Tagen oder 10 Tagen?"

Fazit: Wenn Sie zeitlich flexibel sind, planen Sie Ihren Bildungsurlaub am besten für Mai, Juni oder September. So entgehen Sie den teuren Sommerferien, genießen aber dennoch das beste Lern- und Freizeitwetter.

 


Die alte Landkarte des Sprachenlernens gerät ins Wanken

Jonathan Reed: Herr Geng, wer Englisch lernen möchte, reist nach London, Oxford, Dublin oder vielleicht Malta. LISA! Sprachreisen schickt deutsche Arbeitnehmer nach Bali. Ist das nicht zunächst ein Widerspruch?

Christian Geng: Nur dann, wenn man Sprache mit Staatsgrenzen verwechselt. Die Vorstellung, Englisch müsse ausschließlich in Großbritannien gelernt werden, stammt aus einer Zeit, in der Sprachen noch sehr viel stärker national gedacht wurden. Die heutige Wirklichkeit sieht anders aus. Englisch ist die gemeinsame Verständigungssprache internationaler Unternehmen, wissenschaftlicher Einrichtungen, Flughäfen, Hotels und ganzer Wirtschaftsräume.

Bali ist dafür ein außerordentlich interessantes Beispiel. Auf der Insel begegnen sich Menschen aus Indonesien, Australien, Großbritannien, Europa und Nordamerika. Sie brauchen eine gemeinsame Sprache. Diese Sprache ist fast immer Englisch.

Jonathan Reed: Sie würden also sagen, dass Bali für Englischunterricht nicht trotz seiner Lage geeignet ist, sondern wegen seiner internationalen Struktur?

Christian Geng: Genau. Die entscheidende Frage lautet nicht: Welche Amtssprache besitzt ein Land? Die entscheidenden Fragen lauten:

  • Wer unterrichtet?

  • Welche Ausbildung besitzen die Lehrkräfte?

  • Wie intensiv wird unterrichtet?

  • Welche Sprache wird außerhalb des Unterrichts tatsächlich gesprochen?

Wenn diese Voraussetzungen stimmen, wird die alte Verbindung zwischen Sprache und Nationalstaat plötzlich sehr viel weniger wichtig.

Die britischen Lehrer sind längst auf Bali

Jonathan Reed: Aber ein deutscher Arbeitnehmer erwartet bei einem professionellen Englischkurs möglicherweise gerade den britischen Hintergrund.

Christian Geng: Den verliert er auf Bali nicht. Das ist ja gerade das Interessante. Auf Bali leben zahlreiche Menschen aus Großbritannien, Australien und anderen englischsprachigen Ländern. Darunter befinden sich in England ausgebildete Sprachlehrer mit Unterrichtserfahrung aus englischsprachigen Bildungssystemen.

Man muss also nicht versuchen, Bali künstlich britisch zu machen. Die britischen und internationalen Lehrkräfte sind längst dort.

Jonathan Reed: Das klingt beinahe zu einfach.

Christian Geng: Gute Produktideen sind häufig einfach. Man muss lediglich zwei Dinge miteinander verbinden, die bisher getrennt betrachtet wurden.

Auf der einen Seite steht eine Insel mit einer großen internationalen Bevölkerung, englischsprachigen Lehrkräften und einer alltäglichen englischen Verkehrssprache. Auf der anderen Seite stehen deutsche Arbeitnehmer, die beruflich Englisch benötigen und für eine anerkannte Weiterbildung Bildungsfreistellung erhalten können.

Dann stellt sich irgendwann nicht mehr die Frage, warum Englischunterricht auf Bali stattfinden sollte. Man fragt sich vielmehr, warum diese Verbindung nicht schon viel früher selbstverständlich geworden ist.

Englisch ist heute keine ausschließlich britische Sprache mehr

Jonathan Reed: Verliert Englisch nicht an Qualität, wenn Teilnehmer ständig verschiedene Akzente hören?

Christian Geng: Im Gegenteil. Genau darin liegt ein Teil der Qualität.

Im internationalen Berufsleben spricht ein Deutscher schließlich nicht ausschließlich mit Menschen aus Oxford. Ein Ingenieur aus Deutschland bespricht ein Projekt mit einem schwedischen Kollegen. Eine Einkäuferin verhandelt mit einem Unternehmen in Bangkok, wo wir übrigens auch Englisch anbieten. Ein italienischer Geschäftspartner spricht mit einem deutschen Mittelständler. Alle benutzen Englisch.

Professionelles Englisch bedeutet deshalb heute auch, unterschiedliche Sprechweisen verstehen zu können und selbst so klar zu sprechen, dass andere einen verstehen.

Auf Bali begegnen die Teilnehmer genau dieser Realität:

  • britischem Englisch,

  • australischem Englisch,

  • internationalem Berufsenglisch,

  • Englisch zwischen Muttersprachlern und Nichtmuttersprachlern.

Das ist keine Schwäche des Lernortes. Es bildet die heutige Weltwirtschaft ziemlich genau ab.

Was Bali mit der deutschen Arbeitswelt zu tun hat

Jonathan Reed: Zwischen deutschen Bildungsurlaubsgesetzen und balinesischen Reisfeldern liegen ungefähr 12.000 Kilometer. Wo besteht der Zusammenhang?

Christian Geng: Im Faktor Zeit.

Das eigentliche Luxusgut des Bildungsurlaubs ist nicht das Reiseziel. Es sind mehrere zusammenhängende Tage, an denen Weiterbildung nicht zwischen Arbeitstag, Telefonaten, Familienpflichten und Abendterminen stattfinden muss.

Arbeitnehmer,die einen Intensivsprachkurs besuchen, brauchen Konzentration. Unser Bildungsurlaubkonzept schafft diese Konzentration institutionell. Ein weit entferntes Reiseziel verstärkt zusätzlich die räumliche Distanz zum gewöhnlichen Berufsalltag.

Jonathan Reed: Sie sehen die Entfernung also nicht als Nachteil?

Christian Geng: Für einen Wochenendkurs wäre sie einer. Für eine bewusst geplante Fernreise kann sie ein Vorteil sein. Wer nach Bali reist, wechselt nicht nur den Unterrichtsraum. Er wechselt Zeitzone, Klima, Umgebung und Tagesrhythmus.

Die Kurswoche steht dadurch sehr deutlich für sich. Und wer ohnehin nach Indonesien fliegt, kann die Reise anschließend verlängern. Die Weiterbildungswoche kann der feste Mittelpunkt einer größeren Reise sein.

Weiterbildung muss nicht nach Tagungshotel aussehen

Jonathan Reed: In Deutschland haftet Bildungsurlaub noch immer etwas ausgesprochen Ernstes an.

Christian Geng: Ernsthaftigkeit und Unannehmlichkeit werden erstaunlich oft miteinander verwechselt.

Ein professioneller Sprachkurs wird nicht besser, weil vor dem Unterrichtsraum ein Parkplatz liegt. Und er wird nicht schlechter, weil draußen Palmen wachsen.

Entscheidend sind Unterrichtsintensität, Lehrkräfte, Kursstruktur und Lernergebnis. Die Umgebung darf trotzdem außergewöhnlich sein. Und Arbeitgeber haben ein Interesse daran, dass es Ihren Mitarbeitern auch auf der Weiterbildung gut geht.

Jonathan Reed: Sie würden also den klassischen Seminarraum nicht verteidigen?

Christian Geng: Den Seminarraum schon. Den grauen Teppichboden nicht.

Weiterbildung darf an einem Ort stattfinden, an dem Menschen nach Unterrichtsschluss gern noch acht Stunden ihres Tages verbringen. Darin liegt kein Widerspruch zum Lernen.

Ein Sprachkurs endet nicht an der Klassenzimmertür

Jonathan Reed: Was geschieht sprachlich nach Unterrichtsschluss?

Christian Geng: Genau dort beginnt ein wichtiger Teil einer Sprachreise.

Im Unterricht wird Sprache systematisch aufgebaut. Außerhalb des Unterrichts wird sie gebraucht. Der Teilnehmer bestellt ein Mittagessen, spricht mit einem australischen Reisenden, fragt nach einem Weg oder unterhält sich mit einem britischen Lehrer beim Kaffee weiter.

Diese Gespräche sind nicht vorbereitet. Es gibt keine Vokabelliste dafür. Niemand kennt vorher die nächste Frage.

Und irgendwann entsteht der entscheidende Moment: Der Teilnehmer bemerkt nicht mehr bei jedem Satz, dass er gerade Englisch spricht.

Jonathan Reed: Der Unterricht wird also zum Alltag?

Christian Geng: Genau. Und aus Anwendung entsteht Sprachsicherheit.

Bali ist mehr als die schöne Kulisse eines Englischkurses

Jonathan Reed: Kritiker könnten sagen: Sie verkaufen einen Englischkurs und stellen schöne Reisfelder daneben.

Christian Geng: Dann würden sie Bali unterschätzen.

Die Insel besitzt eine gesellschaftliche Struktur, die weit über ihre touristische Oberfläche hinausgeht. Da gibt es eine tief verwurzelte balinesische Kultur, eine moderne indonesische Gesellschaft und gleichzeitig eine große internationale Gemeinschaft.

Diese Ebenen existieren nicht getrennt voneinander. Ein modernes Restaurant steht neben einem Tempel. Vor einem internationalen Geschäft liegt morgens eine Opfergabe. Eine britische Lehrkraft fährt zum Unterricht und wartet im Straßenverkehr, weil eine religiöse Prozession vorbeizieht.

Gerade diese Gleichzeitigkeit macht Bali interessant.

Jonathan Reed: Also gewissermaßen Globalisierung ohne vollständige kulturelle Vereinheitlichung?

Christian Geng: Das ist ein guter Ausdruck dafür. Bali ist international geworden, ohne vollständig austauschbar zu werden.

Die Reisfelder erzählen eine andere Geschichte als die Reisekataloge

Jonathan Reed: Sie sprechen häufig über die Reislandschaften Balis. Weshalb sind sie für Sie mehr als ein schönes Bild?

Christian Geng: Weil hinter ihnen ein jahrhundertealtes gesellschaftliches System steht.

Die traditionellen Bewässerungsstrukturen verbinden Landwirtschaft, gemeinschaftliche Wasserverteilung und religiöse Ordnung. Wer nur ein grünes Reisfeld fotografiert, sieht deshalb lediglich die Oberfläche.

Für einen europäischen Besucher ist dieser Perspektivwechsel interessant. Am Vormittag beschäftigt er sich mit der wichtigsten internationalen Geschäftssprache unserer Zeit. Wenige Stunden später bewegt er sich durch eine Kulturlandschaft, deren Ordnung sehr viel älter ist als die moderne globale Wirtschaft.

Diese Spannweite bekommt man in einem Seminarzentrum nur schwer hin.

„Bali zwingt niemanden, sich nach dem Unterricht zu langweilen“

Jonathan Reed: Wie sieht ein typischer Nachmittag aus?

Christian Geng: Im besten Fall gar nicht typisch.

Nach dem Unterricht kann ein Teilnehmer beispielsweise:

  • durch Reislandschaften fahren,

  • einen Tempel besuchen,

  • ans Meer gehen,

  • Yoga besuchen,

  • mit anderen internationalen Teilnehmern essen gehen,

  • oder schlicht nichts unternehmen.

Das Entscheidende ist, dass Freizeit nicht künstlich produziert werden muss. Die Insel ist bereits da.

Warum Yoga und Englisch auf Bali erstaunlich logisch zusammengehören

Jonathan Reed: Englischunterricht und Yoga in einem Programm klingt zunächst nach einer Marketingkombination.

Christian Geng: In Frankfurt vielleicht. Auf Bali weniger.

Yoga gehört seit vielen Jahren zum internationalen Leben der Insel. Gerade deshalb kann es sinnvoll sein, nach mehreren Stunden konzentrierter Spracharbeit die Form der Aufmerksamkeit zu wechseln.

Am Vormittag wird gesprochen, gehört, formuliert und korrigiert. Danach folgt Bewegung. Anschließend beginnt der freie Nachmittag.

Das muss nicht jeder Teilnehmer nutzen. Aber es passt zum Ort, und genau darum geht es uns. Zusatzangebote sollten aus dem Reiseziel entstehen und nicht aus einer Marketingabteilung.

Die Sprachreise wird plötzlich familientauglich

Jonathan Reed: Bildungsurlaub wird normalerweise als Reise eines einzelnen Arbeitnehmers gedacht. Sie beziehen Familien ein.

Christian Geng: Weil Fernreisen häufig ohnehin Familienentscheidungen sind.

Wenn ein Elternteil für einen Englischkurs nach Bali reist, stellt sich sofort die Frage, weshalb Partner und Kinder nicht mitreisen sollten. Während der Erwachsene seinen Intensivkurs besucht, können Kinder einen altersgerechten Englischkurs erhalten.

Danach beginnt die gemeinsame Zeit.

Das ermöglicht verschiedene Reisemodelle:

  • ein Elternteil besucht den Englisch-Bildungsurlaub, die Kinder besuchen einen Kindersprachkurs,

  • Eltern und Kinder lernen gleichzeitig in unterschiedlichen Kursen,

  • die Kinder besuchen den Sprachkurs, während die Eltern ihre Tagesgestaltung frei planen.

Jonathan Reed: Damit verändert sich auch die klassische Vorstellung einer Sprachreise.

Christian Geng: Ja. Die Sprachreise muss nicht länger ausschließlich als Einzelreise eines Schülers oder eines Erwachsenen gedacht werden. Man kann verschiedene Lernbedürfnisse innerhalb einer Familienreise miteinander verbinden.

Was der deutsche Bildungsurlaub auf Bali konkret bedeutet

Jonathan Reed: Kommen wir von der Idee zum Produkt. Was bucht ein Teilnehmer?

Christian Geng: Im Mittelpunkt steht ein intensiver Englischkurs für Erwachsene. Der Bildungsurlaub umfasst fünf Unterrichtstage mit 30 Gruppenlektionen pro Woche. Die Teilnehmer sind mindestens 18 Jahre alt. Angeboten werden unterschiedliche Sprachniveaus bis zum gehobenen Niveau.

Der entscheidende Punkt ist: Es handelt sich um ernsthaften Sprachunterricht. Bali ist der Unterrichtsort, nicht der Ersatz für Unterricht.

Jonathan Reed: Und die Unterkunft?

Christian Geng: Der Bildungsurlaub kann ohne Unterkunft gebucht werden. Wer eine vollständige Sprachreise möchte, kann die Unterkunft zusätzlich über LISA! Sprachreisen organisieren lassen. Dadurch bleibt der Kunde bei der Reisegestaltung beweglich.

Eine Produktidee entsteht selten am Schreibtisch

Jonathan Reed: Wann haben Sie erkannt, dass Bali als Englischstandort funktionieren könnte?

Christian Geng: Das war weniger ein einzelner Geistesblitz als eine Beobachtung.

Man sieht auf Bali eine große internationale Gemeinschaft. Man begegnet Briten, Australiern und anderen englischsprachigen Menschen, die dort nicht nur Urlaub machen, sondern leben und arbeiten. Gleichzeitig hört man Englisch praktisch überall dort, wo Menschen unterschiedlicher Nationalitäten miteinander kommunizieren.

Dann kommt der Sprachreiseveranstalter ins Spiel und fragt: Warum wird diese vorhandene Struktur eigentlich noch nicht konsequent für deutschen Bildungsurlaub genutzt?

Ab diesem Moment wird aus einer Beobachtung ein Produkt.

Die traditionelle Sprachreise folgt der Vergangenheit, Bali folgt der Gegenwart

Jonathan Reed: Ist Bali für Sie ein Sonderfall oder ein Hinweis darauf, wie Sprachreisen in Zukunft funktionieren könnten?

Christian Geng: Eher das Zweite.

Sprachen sind mobiler geworden. Menschen sind mobiler geworden. Arbeitsmärkte sind internationaler geworden. Nur unsere Vorstellung vom richtigen Lernort folgt manchmal noch sehr alten Mustern.

Die traditionelle Logik lautet:

  • Englisch lernt man in England.

  • Spanisch lernt man in Spanien.

  • Französisch lernt man in Frankreich.

Das bleibt selbstverständlich sinnvoll. Aber es ist nicht mehr die einzige Möglichkeit.

Die modernere Frage lautet: Wo existiert ein hochwertiges Lernumfeld für diese Sprache?

Bei Englisch kann die Antwort heute an sehr vielen Orten der Welt liegen.

Bali als kleines Modell der internationalen Arbeitswelt

Jonathan Reed: Dann sehen Sie Bali fast als Trainingsraum für Globalisierung?

Christian Geng: Der Begriff Trainingsraum wäre mir zu künstlich. Bali ist keine Simulation der internationalen Welt. Diese internationale Welt existiert dort tatsächlich.

Ein deutscher Teilnehmer trifft morgens auf eine britische Lehrkraft, spricht mittags mit einem Australier, bestellt später bei einem indonesischen Mitarbeiter auf Englisch und unterhält sich am Abend vielleicht mit Menschen aus Frankreich oder den Niederlanden.

Alle bringen unterschiedliche Muttersprachen und kulturelle Hintergründe mit. Englisch verbindet sie.

Genau solche Situationen entstehen täglich in internationalen Unternehmen.

Warum LISA! Sprachreisen früh auf Bali gesetzt hat

Jonathan Reed: Sie sprechen sehr selbstverständlich über dieses Modell. War es innerhalb der Branche ebenso selbstverständlich?

Christian Geng: Nein. Sonst hätte man es früher gemacht.

Die Sprachreisebranche denkt traditionell stark in bekannten Zielgebieten. Das ist verständlich, weil dort über Jahrzehnte gewachsene Strukturen bestehen.

Aber ein Reiseveranstalter darf nicht nur verwalten, was bereits existiert. Er muss beobachten, wie sich Reisen, Arbeit und Sprache verändern.

Bei Bali lagen mehrere Voraussetzungen gleichzeitig vor:

  • eine große internationale Gemeinschaft,

  • englischsprachige und britische Lehrkräfte,

  • Englisch als alltägliche Verständigungssprache,

  • eine ausgebaute internationale Reiseinfrastruktur,

  • Möglichkeiten für Familienprogramme,

  • und ein Reiseziel, das nach Unterrichtsschluss nicht aufhört.

Wir haben daraus eine einfache Konsequenz gezogen.

„Der Lernort des 21. Jahrhunderts muss nicht dort liegen, wo eine Sprache entstanden ist“

Jonathan Reed: Wenn Sie die Idee hinter dem Bali-Programm in einem Gedanken zusammenfassen müssten, welcher wäre es?

Christian Geng: Der Lernort des 21. Jahrhunderts muss nicht dort liegen, wo eine Sprache historisch entstanden ist. Er sollte dort liegen, wo sie hervorragend unterrichtet wird und im wirklichen Leben ständig gebraucht wird.

Bali erfüllt beide Bedingungen.

Am Vormittag findet intensiver Englischunterricht statt. Danach bleibt die Sprache präsent, aber der Unterrichtsraum verschwindet. Menschen sprechen miteinander, Familien treffen sich wieder, der Tag führt zum Meer, in Reislandschaften oder durch die internationale Inselgesellschaft.

Deshalb ist Bali für uns keine exotische Ergänzung des Englischprogramms.

Es ist die logische Erweiterung dessen, was eine moderne Sprachreise heute sein kann.

A contribution by Christian Geng

Der Autor Christian Geng hat 1992 LISA! Sprachreisen mitgegründet und ist als Fachmann für Sprachreisen und Wissensvermittlung anerkannt. Seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Sprachforschung, Grammatik und Bildung haben ihm international einen Ruf eingebracht. Durch zahlreiche Fachartikel und Reiseberichte prägt er das Wissen in diesen Bereichen kontinuierlich weiter. Seine Schwerpunkte sind Sprachreisen, Sprachen, Reisen, Bildung, Studieren im Ausland und Auslandsjahr. Anregungen sind herzlich willkommen.

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